Diskussionsforen

zu wikipool.net und kulturkritik.net
Aktuelle Zeit: Do 9. Sep 2010, 06:25

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde




Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 16 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste
Autor Nachricht
 Betreff des Beitrags: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Mi 31. Dez 2008, 14:26 
Offline

Registriert: Fr 26. Dez 2008, 23:14
Beiträge: 39
Meiner Auffassung nach ist die Hamas keine "Armee", d.h. ein von der Gesellschaft getrennter Militärverbund, sondern eher eine "Miliz", d.h. eine bewaffnete Gruppe, die aus der Gesellschaft herausgewachsen ist und mit ihr verflochten ist. Insofern kann man denke ich Palestinenser - im Groben - und Hamas nicht einseitig gegeneinanderstellen, wie es die israelische Regierung macht, die behauptet, sie will den Willen der Hamas brechen, aber nicht das "palestinensische Volk" treffen. So eine Spaltung ist unrealistisch. Die Erfahrung für die Palestinenser ist wohl eher die, dass sie die Hamas bitter nötig haben, um nicht der Willkür Israels ausgesetzt zu sein.

Dazu ein Interview mit einem Palestinenser aus Gaza:
Was will Israel?
Die Hamas zerstören, aber dafür müsste Israel Gaza zerstören, denn mehr als 50 Prozent der Menschen fühlen sich wohl mit der Hamas.
(http://www.sueddeutsche.de/politik/210/452907/text/)

Wenn Israel es ernst meint mit seinem Bekenntnis, die Vernichtung der Hamas zum Ziel zu haben, dann könnte die Sache noch ziemlich brutal werden, da die Hamas in der Bevölkerung verwurzelt ist, dort Rückhalt genießt usw. Die Frage ist, ob diese Vernichtung ein rationelles Ziel Israels sein könnte: Ein langwieriger, zermürbender Stellungskrieg wird wohl auch Israel einiges kosten, wobei Geld das wenigste ist, aber ebenfalls der politische Rückhalt im Innern wie auch die internationale Zustimmung.

Andererseits: die Hamas-Leute agieren nicht nur als Freiheitskämpfer, sondern haben sich auch die Vernichtung Israels zum Ziel gesetzt. Sie sind sicherlich ebenso eine Sekte mit eigener Ideologie und Organisation, die sich insofern auch wieder nicht mit der palestinensischen Gesellschaft deckt. Und eines ihrer "Organisationsinteressen" ist wohl die Aufrechterhaltung und Anstachelung des Konflikts, da dieser sie nur stärkt.

Wie ist das eigentlich mit den Rüstungsvorbereitungen Israels für dieses Bombardement, wie muss man das einschätzen: braucht die israelische Armee für so etwas eine "Vorlaufzeit" oder kann sie das relativ spontan aufbringen? Ich glaube, dass das sehr schnell gehen kann, weil für diese Luftangriffe keine gewaltigen Mobilisierungsanstrengungen nötig sind. Der kriegsführende Minister Barak sagt jedenfalls, der Krieg wäre schon sehr lang vorbereitet worden(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29445/1.html).


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Sa 3. Jan 2009, 09:08 
Offline

Registriert: Fr 26. Dez 2008, 23:14
Beiträge: 39
Die wesentliche Auseinandersetzung um die moralische Beurteilung israelischer Aggressionen ist die, ob die antiisraelischen Aggressionen - hier der Hamas -, gegen die sich die israelischen Militäreinsätze als Verteidigung verstehen, Produkt vorhergehender israelischer Aggression sind oder ob die antiisraelische bzw. antisemitische Einstellungen unabhängig von den Umständen entstehen und insofern sie einem Individuum zukommen, ihm auch als Naturbestimmung zukommen.

In letzterem Fall sieht sich Israel einer ständigen, objektiven Bedrohung ausgesetzt. Deren Bekämpfung ist dann nur durch exzessiven Einsatz von militärischen Mitteln, nämlich Auslöschung("Liquidierung") der Antisemiten möglich ist, da ihr Antisemitismus durch die Umstände nicht entstanden und so auch nicht beruhigt werden kann. Wird die Bedrohung Israels nicht bekämpft, so erfolgt ein Erstarken der antiisraelischen Bewegung, die - in dieser Ansicht - nichts anderes verfolgt als die Vernichtung Israels und aller Juden.

D.h. die Frage ist, ob die israelische Verteidigung - die als solche für Israel aus Staatsräson notwendig ist - die brutale militärische Logik, wie seit Jahrzehnten ausgeübt, erfordert. Ist sie erforderlich, dann kann sie moralisch nicht angegriffen werden.

Vgl. zur Hamas:
http://de.groups.yahoo.com/group/contra ... sage/10509


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Sa 3. Jan 2009, 20:30 
es ist doch ganz definitiv so dass die hamas zu jeder zeit die vernichtung israels fordert. von daher vollkommen logisch und meiner meiner nach auch folgerichtig und legitim, die hamas in keiner weise zu tolerieren und ausschalten zu wollen, da sie eben eine permanente bedrohung darstellt. mit der hamas gibt es keinen frieden, da diese ihren frieden nur auf den trümmern israels verwirklichen will. problematisch ist es hierbei natürlich, dass die hamas wie du schon geschrieben hast, eben keine von der palästinensischen gesellschaft unabhängige gruppierung ist. erstrebenswert ist es jedoch in jedem fall, zumindest vorerst ihre militärische macht zu brechen, was ja auch mit der zerstörung von einrichtungen der hamas versucht wird.
zudem, würde eine verteidigung, wie die idf sie übt, auch bei anderen staaten als unverhältnismäßig bezeichnet werden? welcher andere staat würde 50 raketenangriffe ohne massive militärische gegenwehr über sich ergehen lassen?


Diesen Beitrag melden
Nach oben
  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: So 4. Jan 2009, 09:46 
Offline

Registriert: Fr 26. Dez 2008, 23:14
Beiträge: 39
Isirael hat geschrieben:
da sie eben eine permanente bedrohung darstellt

Isirael hat geschrieben:
mit der hamas gibt es keinen frieden

Man müsste in Bezug auf Hamas wie auf alle Gruppierungen, die sich feindlich gegen Israel verhalten, erst einmal fragen, unter welchen Bedingungen ihr Israelhass entstanden ist, damit auch, unter welchen Bedingungen Frieden möglich ist. Wenn Du sagst: "mit der hamas gibt es keinen Frieden", dann verzichtest Du jedoch gerade auf diese Frage, Du betreibst eine Ontologisierung des "Judenhasses". Das heißt die Hamas und Konsorten sind keine Menschen, die unter bestimmten Bedingungen und Zwängen leben und so zu dem werden was sie sind, sondern sie sind der Judenhass. Sie müssen dann die "permanente Bedrohung" Israels darstellen, weil sie nichts anderes sind als das.
Diese Ontologisierung ist von meinem Grundverständnis her problematisch; ich hoffe, Du teilst das.

Isirael hat geschrieben:
es ist doch ganz definitiv so dass die hamas zu jeder zeit die vernichtung israels fordert.

Die Frage ist: auf was stützt Du Dich, dass das definitiv so ist? Der Link, den ich oben gepostet hat, stellt dies anders da, so dass zwar die Hamas keine Heiligen sind, aber dennoch von ihr sinnvoll zu nennende Verhandlungsangebote und friedvolle Signale kommen.

Isirael hat geschrieben:
zudem, würde eine verteidigung, wie die idf sie übt, auch bei anderen staaten als unverhältnismäßig bezeichnet werden? welcher andere staat würde 50 raketenangriffe ohne massive militärische gegenwehr über sich ergehen lassen?

Na ich weiß nicht, hast Du ein Beispiel, wo man sich gegenüber demjenigen Staat nicht moralisch verhalten würde? Ich denke, das würdest Du doch auch tun. Der Punkt ist ja nicht, dass man die Staatsräson Israels als völlig hirnrissig darstellt. Es geht, wie oben ja angemerkt, um eine moralische Auseinandersetzung mit dem Konflikt.


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Mo 5. Jan 2009, 19:00 
Offline

Registriert: Mo 5. Jan 2009, 18:33
Beiträge: 2
Zitat:
Man müsste in Bezug auf Hamas wie auf alle Gruppierungen, die sich feindlich gegen Israel verhalten, erst einmal fragen, unter welchen Bedingungen ihr Israelhass entstanden ist, damit auch, unter welchen Bedingungen Frieden möglich ist.

korrigier mich bitte, falls ich dich falsch verstehe, aber dein satz klingt fast so, als trüge israel irgendeine schuld am judenhass? derartige argumenationen wären nichts neues, eines marxisten aber unwürdig. ist denn der jud' schuld am antisemitismus?
darüber hinaus denke ich nicht, dass mit antisemiten diskussionen (und dialoge) zu führen angemessen wäre, da eine solche massenbewegung einer bewussten entscheidung folgt (zwar nur resultierend aus entsprechenden ökonomischen und gesellschaftlichen verhältnissen, jedoch ist er [der antisemitismus] mehr als nur eine art folgenschweres versehen.), sich kollektiv und unabhängig von den handlungen der idf/israel/den juden/whatever auslebt.

Zitat:
Wenn Du sagst: "mit der hamas gibt es keinen Frieden", dann verzichtest Du jedoch gerade auf diese Frage, Du betreibst eine Ontologisierung des "Judenhasses". Das heißt die Hamas und Konsorten sind keine Menschen, die unter bestimmten Bedingungen und Zwängen leben und so zu dem werden was sie sind, sondern sie sind der Judenhass.

sie sind insofern der antisemitismus, da das hineingeborenwerden in ein fundamentalistisch-antisemitisches selbstmörderkollektiv kaum andere schlüsse als antwort auf die verhältnisse ermöglicht. innerhalb des palästinensischen volks (und im arabischen raum im allgemeinen) liegt keinerlei progressives potential, daher muss die umänderung des seins von außen erfolgen, wenn sich nicht mehr länger antisemitisches bewusstsein reproduzieren soll.
Zitat:
Sie müssen dann die "permanente Bedrohung" Israels darstellen, weil sie nichts anderes sind als das.

in der tat. genauso sehe ich das auch.

Zitat:
Die Frage ist: auf was stützt Du Dich, dass das definitiv so ist? Der Link, den ich oben gepostet hat, stellt dies anders da, so dass zwar die Hamas keine Heiligen sind, aber dennoch von ihr sinnvoll zu nennende Verhandlungsangebote und friedvolle Signale kommen.

wer sich in offiziellen immer mal wieder positiv auf die sog. 'protokolle der weisen von zion' beruft und diese zum leitmotiv ihrer "befreiungswegegung" erhebt, ist (meiner meinung nach) nicht an einem frieden, der in unserem sinne liegen könnte, interessiert.
süddeutsche zeitung und israel. kennt man ja...

Zitat:
Na ich weiß nicht, hast Du ein Beispiel, wo man sich gegenüber demjenigen Staat nicht moralisch verhalten würde? Ich denke, das würdest Du doch auch tun. Der Punkt ist ja nicht, dass man die Staatsräson Israels als völlig hirnrissig darstellt. Es geht, wie oben ja angemerkt, um eine moralische Auseinandersetzung mit dem Konflikt.

wieso überhaupt?


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Di 6. Jan 2009, 12:06 
Offline

Registriert: Fr 26. Dez 2008, 23:14
Beiträge: 39
Hallo herrkeuner, willkommen im Forum. Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, Deinen Beitrag zu erwidern. Ich muss zugeben, dass es mir nicht leicht fällt, offen gegenüber Deiner Position zu sein, habe mich aber darum bemüht. Ich denke jedoch, Dir gute Argumente erwidern zu können.

Emanuel hat geschrieben:
Es geht, wie oben ja angemerkt, um eine moralische Auseinandersetzung mit dem Konflikt.

herrkeuner hat geschrieben:
wieso überhaupt?


Du spielst wahrscheinlich auf eine Infragestellung von Moral an. Vielleicht äußerst Du Dich noch dazu, was Du genau meinst.
Ansonsten finde ich es zunächst mal seltsam, in diesem Sinne nicht moralisch zu sein, dass man menschliches Leid als schlichtes Ereignis registriert, sonst aber nicht weiter wertet.
Von da ausgehend wendet sich Moral gegen die offensichtlichen Verursacher dieses Leids. Das weitere wäre nun die Frage, inwieweit diese Anklage gegen die Verursacher und die Forderung gegen sie, ihre Aggression zu beenden, gerechtfertigt ist. Daher sage ich "moralische Auseinandersetzung".
Mir leuchtet nicht ein, weshalb diese moralische Verhalten zu begründen wäre. Mir scheint eher der gegenteilige Standpunkt, sich in sich zurückzuziehen und keine praktische Beziehung dazu aufzubauen, begründungsbedürftig. Vielleicht führst Du daher noch aus, weshalb Du Moral schlechtfindest. - Verhältst Du Dich übrigens nicht moralisch dazu, indem Du diese Verteidigung, wie zumindest Isirael angemerkt hat, unterstützt und damit gutheißt?

Emanuel hat geschrieben:
Man müsste in Bezug auf Hamas wie auf alle Gruppierungen, die sich feindlich gegen Israel verhalten, erst einmal fragen, unter welchen Bedingungen ihr Israelhass entstanden ist, damit auch, unter welchen Bedingungen Frieden möglich ist.

herrkeuner hat geschrieben:
korrigier mich bitte, falls ich dich falsch verstehe, aber dein satz klingt fast so, als trüge israel irgendeine schuld am judenhass? derartige argumenationen wären nichts neues, eines marxisten aber unwürdig. ist denn der jud' schuld am antisemitismus?


Darf ich Dich fragen, weshalb Du versuchst, mir dies unterzuschieben, dass ich Israel eine "Schuld am Judenhass" vorwerfe? Schau Dir meinen Satz nochmal an, aber mir ist schleierhaft, wie Du diese Aussage da rausziehen kannst. Weshalb willst Du sie also darin sehen?

Des weiteren finde ich es problematisch, Israel mit "dem Juden" oder überhaupt den Juden gleichzusetzen. - Wie Du es aber machst. "Der Jude" existiert eigentlich nur als Zerrbild innerhalb des Antisemitismus. Israel ist zunächst mal ein Staat, indem es überhaupt ein Oben und Unten in verschiedener Hinsicht gibt und der weder mit dem Interesse seiner Bevölkerung noch dem Interesse der Juden überhaut gleichzusetzen.

Deine Aussage, dass solch ein Schluss "eines Marxisten unwürdig" ist, finde ich bedenklich. Damit schreibst Du "einem Marxisten" eine besondere Würde zu. Insofern er obigen Schluss zieht, macht er nicht einen Denkfehler, - vielmehr begibt er sich in den Dreck, in ein Terrain, das seiner unwürdig ist, in dem seine Reinheit, die ihn an sich über die Menschen erhebt, beschmutzt wird. In der Tat verstehe ich mich als Marxist, gerade aber insofern man sich positiv auf Marx bezieht, muss doch das eigene Selbstverständnis auch ein Verständnis der eigenen sozialen Funktion beinhalten, d.h. man kann höchstens das Verhältnis eines Marxisten zum Nichtmarxisten als ein gesellschaftlich bedingtes verstehen. Jedoch Marxismus adelt nicht.

Um nun auch nochmal inhaltlich auszuführen, was ich in obigem Zitat gemeint habe: Man muss zunächst in den israelfeindlichen Aggressionen zwei Momente unterscheiden, den Antisemitismus und Widerstandsbewegungen, in denen sich Menschen von Israel in ihrem Leben bedrängt sehen und sich dem widersetzen. Beides ist nicht identisch, mag sich aber sehr wohl wechselseitig begünstigen. Zu den Bedingungen beider Phänomene gehört die Staatsgründung Israels, die jedoch heute Fakt ist und sicherlich nicht bei Überlegungen zu Friedensbedingungen zur Disposition steht, sowie eine militaristische Außenpolitik Israels. Zu den Bedingungen der letzteren gehört wohl die Angst, sich um jeden Preis in feindlichem Territorium zu behaupten und die eigene Überlegenheit sozusagen blutigst zu demonstrieren sowie eine ständige Hetze und Gewalteinsatz gegen Israel von Seiten der Palästinenser & Konsorten. Es gibt wie oft zwei Seiten, die sich hier fatalerweise gegenseitig aufgeschaukelt haben.
Wenn es darum geht, Fragen nach Alternativen in der Geschichte Israels zu stellen, dann ist es sinnvoll, zwischen Israel und israelischen Politikern zu unterscheiden, die nicht notwendig identisch mit Israels Selbsterhaltungsinteresse sind. Ein Politiker, der im Militär großgeworden ist und v.a. in militärischen Kategorien denkt, wird z.B. auch zu einer bestimmten Politik neigen. Es mag ihrem "Charakter", aber auch innenpolitischen Erwägungen entsprechen, eine bestimmte außenpolitische Strategie zu wählen. Wenn hier die Frage nach der Schuld zu stellen ist, dann wären jedenfalls israelische Politiker die Adressaten, nicht aber einfach "Israel", das es in dieser unterstellten Homogenität nicht gibt.

herrkeuner hat geschrieben:
darüber hinaus denke ich nicht, dass mit antisemiten diskussionen (und dialoge) zu führen angemessen wäre, da eine solche massenbewegung einer bewussten entscheidung folgt (zwar nur resultierend aus entsprechenden ökonomischen und gesellschaftlichen verhältnissen, jedoch ist er [der antisemitismus] mehr als nur eine art folgenschweres versehen.), sich kollektiv und unabhängig von den handlungen der idf/israel/den juden/whatever auslebt.

sie sind insofern der antisemitismus, da das hineingeborenwerden in ein fundamentalistisch-antisemitisches selbstmörderkollektiv kaum andere schlüsse als antwort auf die verhältnisse ermöglicht. innerhalb des palästinensischen volks (und im arabischen raum im allgemeinen) liegt keinerlei progressives potential, daher muss die umänderung des seins von außen erfolgen, wenn sich nicht mehr länger antisemitisches bewusstsein reproduzieren soll.


Was ist das für eine Entscheidung, in der man nur "zwischen" einer Alternative auswählen kann? Müsste man nicht sagen, dies ist gar keine Entscheidung?
Weshalb behauptest Du, dass sich die "Massenbewegung" des Antisemitismus "unabhängig von den handlungen der idf/israel/den juden/whatever auslebt"? Nimmst Du nicht zur Kenntnis, dass er auch, wie oben angemerkt, aus der israelischen Politik wächst, würdest Du diese als irrelevant für die Entstehung des Antisemitismus beurteilen - und warum - oder wie stehst Du dazu?

Es ist eine Sache, zu sagen, dass in der Region die Entstehungsbedingungen für Antisemitismus besonders günstig sind, wobei es unrichtig ist, die "Araber" als ein "Selbstmörderkollektiv" und den dortigen Islam als durch und durch fundamentalistisch zu bezeichnen, und insofern den Islam mit dem Antisemitismus zu identifizieren.
Es ist eine andere Sache zu sagen, dass in dieser Gesellschaft Antisemitismus notwendig verhaftet ist. Dies ist im Grunde eine Ontologie, d.h. eine Seinsbestimmung dieser Menschen. Da ich dies schon kritisch gegen Isirael angemerkt habe, Du nun aber meiner Meinung nach dieselbe Ontologie wieder vertrittst, ohne auf meinen Ontologie-Vorwurf eingegangen zu sein, möchte ich Dich nochmal um eine Stellungnahme hierzu bitten. Eine "Ontologie" kennt keine Entwicklung und kein wirkliches Sein, das durch anderes Sein bestimmt ist und sich in dieser Bestimmung entwickelt, daher Sein ist nur durch seine Beziehung auf anderes.

Deine Aussage "innerhalb des palästinensischen volks (und im arabischen raum im allgemeinen) liegt keinerlei progressives potential" ist zunächst empirisch nicht korrekt. Es gibt in Iran eine breite alternative Schicht, v.a. in der jungen Bevölkerung. Gerade in Iran gab es bis zur islamischen Revolution 1979 eine recht demokratisch gesinnte Bevölkerung, wie etwa der Film "Persepolis" zeigt. Die hat danach nicht einfach aufgehört zu existieren, sondern konnte sich aufgrund des islamischen Regimes nur mehr im Privaten, nicht jedoch öffentlich artikulieren und weiterentwickeln. Ich kenne zwei sehr nette muslimische Philosophiekommilitonen aus Tunesien, die dort, bevor sie nach Dtld. kamen, in einer marxistischen Gruppierung(ML) tätig waren. Und man könnte sicherlich noch andere Beispiele aufführen. D.h. Dein "progressives Potential" existiert in der Tat.
Zum andern wäre die Frage zu stellen, wie ein "progressives Potential" oder ein "revolutionäres Subjekt" eigentlich entsteht. Das ist nicht so, dass in einer Gesellschaft sowas halt existiert oder nicht. Geschichte, d.h. die Entwicklung und Umwälzung von Gesellschaftsformen beruht überhaupt darauf, dass die Gesellschaftsform in sich widersprüchlich ist, so dass diejenige Subjektivität, wie sie von dieser Gesellschaftsform erzeugt wurde, in Widerspruch tritt mit der Gesellschaftsform selbst. An diesen Widersprüchen, die es auch in der arabischen Welt gibt, gerade insofern sie überhaupt kapitalistische Verhältnisse aufweist, was dort noch nicht überall gilt, entwickelt sich Widerstand und Protest. Einen Widerspruch von außen aufzudrücken, wie Du es als "Umänderung des Seins von außen" vorhast, ist eigentlich absurd und erzeugt vielmehr einen Gegensatz zu der Aggression von außen.
Hinsichtlich der Umänderung des Seins von außen wäre vielmehr die Verflochtenheit des arabischen Raums in die Weltwirtschaft und damit in das globale imperialistische System zu benennen(Öl). Dies gehört auch zu den Bedingungen des Antisemitimus im arabischen Raum. Von dieser "Veränderung des Seins von außen", die daher in der Tat schon existiert, überzugehen zu einer Forderung, dies Sein doch endlich mal zu verändern, ist eigentlich widersinnig.

herrkeuner hat geschrieben:
wer sich in offiziellen immer mal wieder positiv auf die sog. 'protokolle der weisen von zion' beruft und diese zum leitmotiv ihrer "befreiungswegegung" erhebt, ist (meiner meinung nach) nicht an einem frieden, der in unserem sinne liegen könnte, interessiert.
süddeutsche zeitung und israel. kennt man ja...


Schau Dir mal den Artikel an, den ich oben verlinkt habe. Ihm gemäß ist die Hamas kein monolithischer Block, sondern es gibt darin eben auch "vernünftige" Strömungen. Nichts läge doch näher, als diese zu stützen. Die Hamas ist von ihrem Selbstverständnis her auch nicht einfach nur auf die Vernichtung Israels zu reduzieren. Insofern sie selbst Verhandlungsangebote zum Frieden macht, so ist dies als ebenso getreue Aussage der Hamas zu werten, wie ihr Programm, das Du hier gerade zitierst. Wenn man das Friedensangebot für Heuchelei hält, wieso dann nicht auch ihr Programm?


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Do 8. Jan 2009, 12:24 
Offline

Registriert: Mo 5. Jan 2009, 18:33
Beiträge: 2
Zitat:
Hallo herrkeuner, willkommen im Forum. Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, Deinen Beitrag zu erwidern. Ich muss zugeben, dass es mir nicht leicht fällt, offen gegenüber Deiner Position zu sein, habe mich aber darum bemüht. Ich denke jedoch, Dir gute Argumente erwidern zu können.

ich freue mich über das angenehme diskussionsverhalten und -niveau, ist mal eine willkommene abwechslung. dasselbe maß an respekt will ich dir auch zukommen lassen. doch genug der speichelleckerei...

Zitat:
Du spielst wahrscheinlich auf eine Infragestellung von Moral an. Vielleicht äußerst Du Dich noch dazu, was Du genau meinst.
Ansonsten finde ich es zunächst mal seltsam, in diesem Sinne nicht moralisch zu sein, dass man menschliches Leid als schlichtes Ereignis registriert, sonst aber nicht weiter wertet.

das ist mitunter einer der hauptfragen, die mich momentan quält. denn rein vom materialistischen standpunkt (also unserer argumentationshaltung gemäß die formulierung unserer politischen ziele) ausgehend, wird moral als universalprinzip "richtig" zu handeln gleichermaßen unnötig wie unhaltbar. doch muss denn zwangsläufig aus einem wertenden urteil ("du handelst böse!") eine moralische ordnung erstellt werden? an welchem maßstab könnte "richtig"/"böse" gemessen werden?
oder ist es nicht vielmehr so, dass der nahost-konflikt obwohl er emotional sehr aufgeladen ist, nüchtern auf seine ursachen hin analysiert werden muss, und daraus keine ideellen, sondern eben materialistische schlüsse zieht. eine moralische betrachtung beider seiten wird dadurch hinfällig. man sieht die konfrontation einer nationalen befreiungsbewegung, die ihre dynamik aus völkischen, fundamentalistisch-religiösen und antisemitischen ideen bezieht, und einer bürgerlichen republik, die sich dem vernichtungswillen vehement widersetzt (und eine negativaufhebung ihrer gesellschaftlichen ordnung, sprich die regression verhindert). dass israel zudem der schutzstaat der shoa-hinterbliebenden ist, der hamas jegliche sensibilität dafür fehlt (sogar bewusst der holocaust als argument GEGEN israel missbraucht wird!), gibt dem ganzen noch einen pikanten beigeschmack.

Zitat:
Von da ausgehend wendet sich Moral gegen die offensichtlichen Verursacher dieses Leids. Das weitere wäre nun die Frage, inwieweit diese Anklage gegen die Verursacher und die Forderung gegen sie, ihre Aggression zu beenden, gerechtfertigt ist. Daher sage ich "moralische Auseinandersetzung".

wie gesagt: eine moralische verurteilung ist gar nicht mein anspruch. und vielleicht willst du ja erklären, warum es deiner ist.

Zitat:
Darf ich Dich fragen, weshalb Du versuchst, mir dies unterzuschieben, dass ich Israel eine "Schuld am Judenhass" vorwerfe? Schau Dir meinen Satz nochmal an, aber mir ist schleierhaft, wie Du diese Aussage da rausziehen kannst. Weshalb willst Du sie also darin sehen?

na ich bin ja froh, dass es nicht so ist! :D
aber was da in manchen diskussionen so kommt, frag ich da lieber immer nach! ;)

Zitat:
Des weiteren finde ich es problematisch, Israel mit "dem Juden" oder überhaupt den Juden gleichzusetzen. - Wie Du es aber machst. "Der Jude" existiert eigentlich nur als Zerrbild innerhalb des Antisemitismus. Israel ist zunächst mal ein Staat, indem es überhaupt ein Oben und Unten in verschiedener Hinsicht gibt und der weder mit dem Interesse seiner Bevölkerung noch dem Interesse der Juden überhaut gleichzusetzen.

ganz meine ansicht: israel als bürgerlicher staat vertritt nur in sehr geringem ausmaß die interessen seiner bevölkerung.
was du aber außen vor lässt, ist die behandlung israels als judenstaat (das ist zwar auch der eigene anspruch, aber das tut nichts zur sache) - von antisemitischer seite. jeder antizionismus projiziert heutzutage "antisemitische klassiker" auf den staat israel. in seinem ursprung mag er zwar immer auch schon judenfeindlich orientiert gewesen sein, ist aber in den 20er und 30er jahren des vorigen jahrhunderts im zusammenhang einer konkurrenz zwischen verschiedenen nationalbewegungen zu betrachten. der antisemitismus war dann letztendlich das lösungsmodell den konflikt zweier unterschiedlicher volksgruppen auszutragen.
entscheidend ist daher nicht, ob israel der staat der juden ist, sondern vielmehr die tatsache, dass die feindschaft zu diesem staat, der antizionismus, auf einer illusion, nämlich das gesamte weltjudentum (know where I'm coming from...?) zum feind zu haben, basiert. unabhängig wer israel bewohnt, der antizionismus ist antisemitisch motiviert. dies gilt es in jedem fall zu bekämpfen. aktiv mit kanonen und die grundlagen ausmerzend den kommunismus anstrebend als politischer agitator

Zitat:
Deine Aussage, dass solch ein Schluss "eines Marxisten unwürdig" ist, finde ich bedenklich. Damit schreibst Du "einem Marxisten" eine besondere Würde zu. Insofern er obigen Schluss zieht, macht er nicht einen Denkfehler, - vielmehr begibt er sich in den Dreck, in ein Terrain, das seiner unwürdig ist, in dem seine Reinheit, die ihn an sich über die Menschen erhebt, beschmutzt wird. In der Tat verstehe ich mich als Marxist, gerade aber insofern man sich positiv auf Marx bezieht, muss doch das eigene Selbstverständnis auch ein Verständnis der eigenen sozialen Funktion beinhalten, d.h. man kann höchstens das Verhältnis eines Marxisten zum Nichtmarxisten als ein gesellschaftlich bedingtes verstehen. Jedoch Marxismus adelt nicht.

in der tat. wenn dich aber meine wortwahl so irritiert, warum fragst du dich nicht, was einen marxisten tatsächlich von seinen mitmenschen unterscheidet: es ist die arbeitsmethode und der materialistische anspruch. eben diesem anspruch wirst du nicht gerecht, wenn du - wie es ja meine unterstellung war -antisemitische stereotype weiterreichst.

edit: ich hatte den rest auch schon beantwortet, teilweise sehr ausführlich. irgendwie konnte das nicht gesendet werden und jetzt ist alles futsch...
ich werde es später beantworten, muss jetzt nochmal an die uni.


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Do 8. Jan 2009, 22:13 
Offline

Registriert: Fr 26. Dez 2008, 23:14
Beiträge: 39
Analyse der Kriegsziele von Petra Wild(http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29479/1.html):
"Der Krieg gegen den Gaza-Streifen hat vier Ziele:
1 er soll die Hamas-Regierung stürzen oder zumindest ihre Unterwerfung unter israelische Bedingungen erzwingen;
2 er soll die dort lebende palästinensische Zivilbevölkerung für ihren hartnäckigen Widerstand bestrafen;
3 er soll die Abschreckungsmacht des israelischen Militärs in der arabischen Welt wiederherstellen und
4 er soll das regionale Kräfteverhältnis zugunsten Israels und seiner westlichen und arabischen Verbündeten verschieben."


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: So 18. Jan 2009, 12:25 
Offline

Registriert: Fr 26. Dez 2008, 23:14
Beiträge: 39
Hallo herrkeuner,

mich würde zunächst interessieren, was Du unter "materialistischem Standpunkt" oder "materialistischem Anspruch" etc., was Du häufig verwendest, verstehst. Dies ist mir nicht ganz klar.
Emanuel hat geschrieben:
Du spielst wahrscheinlich auf eine Infragestellung von Moral an. Vielleicht äußerst Du Dich noch dazu, was Du genau meinst.
Ansonsten finde ich es zunächst mal seltsam, in diesem Sinne nicht moralisch zu sein, dass man menschliches Leid als schlichtes Ereignis registriert, sonst aber nicht weiter wertet.

herrkeuner hat geschrieben:
das ist mitunter einer der hauptfragen, die mich momentan quält. denn rein vom materialistischen standpunkt (also unserer argumentationshaltung gemäß die formulierung unserer politischen ziele) ausgehend, wird moral als universalprinzip "richtig" zu handeln gleichermaßen unnötig wie unhaltbar. doch muss denn zwangsläufig aus einem wertenden urteil ("du handelst böse!") eine moralische ordnung erstellt werden? an welchem maßstab könnte "richtig"/"böse" gemessen werden?

An einem Maßstab, der jenseits der menschlichen Wirklichkeit liegt. Gegen einen Willen gewandte Moral unterstellt immer eine ideelle, eigentliche Welt sozialer Verhältnisse. Diese kann nicht aus wirklichen sozialen Verhältnissen begründet werden, wird aber dennoch für diese in Anspruch genommen. Also ein erfundenes Wesen wird als das Maß der Welt an diese gelegt.
Ein weiteres Problem mit Moral ist oft, dass ein subjektives Werturteil in ein objektives Urteil hypostasiert wird. Z.B. die subjektive Moral, dass es ungerecht ist, wenn der Kapitalist den Arbeiter nur aus dem von diesem selbst erzeugten Produkt bezahlt, wird hypostasiert dahin, dass der Kapitalist mit Bewusstsein den Arbeiter betrügt und insofern an der Ungerechtigkeit Schuld hat.
Dies ist der Moralismus in der Wissenschaft, wie er bei vielen konservativen Theoretikern zu sehen ist, teilweise aber auch etwa bei Adorno(siehe http://wikipool.net/forum/viewtopic.php?f=9&t=46).
Von daher finde ich es, wie bereits angemerkt, zunächst mal wichtig, ob es sich hier überhaupt um eine freie Entscheidung, die nicht notwendig für ein "legitimes" Bedürfnis(was das auch genau sein soll, jedenfalls nicht etwa Machtgier) war oder wirklich den Umständen geschuldet war, handelt. Ich sehe hier aber in jedem Fall eine gewisse Ambivalenz, da ein Mensch einerseits durch Umstände bestimmt ist, andererseits sich hierzu und auch zu Gewohnheiten usw. verhalten kann.
Ich finde es aber nicht richtig, Moral vollständig außenvorzulassen. Es muss doch gehen, dass man einem Menschen sein Handeln vorwirft, und das heißt wohl, wenn er aus Eigennutz anderen Menschen oder der Gesellschaft schadet. Und das kann ja immer vorkommen.
Die Kunst wäre es, hier den Punkt zu finden, was Moral sein kann, wenn sie nicht diese religiöse, jenseitige Moral ist. Aber das ist wohl auch genau, um was es Dir geht. Das Ganze hängt wohl auch eng mit dem Konzept des freien Willens zusammen. Möglich, dass man den freien Willen eigentlich nur braucht, um Moral behaupten zu können. Außerdem finde ich den freien Willen als solchen ohnehin eine abstrakte Vorstellung, die eben von der notwendigen Bezogenheit des freien Willens auf Bedürfnisse und Praxis abstrahiert. Das hat glaube ich auch schon Hegel drin, gegen Kant.

Antideutsche haben übrigens einen hochmoralischen Standpunkt. Nur zwei Momente aus deren Moral: Sie agieren aus einem Schuldbewusstsein den Holocaust-Opfern gegenüber, das sie aufgrund der Kultur trifft, in der sie sich befinden(der deutschen). Und sie verurteilen die Palästinenser als Nazis. Beides zu sehen bei der Mahnwache des AK Antisemitismus am 3.1.; der Vorfall dürfte Dir ja bekannt sein.
Letzteres hast Du angesprochen, als Du darauf hingewiesen hast, dass "er [der antisemitismus] mehr als nur eine art folgenschweres versehen" sei. Ich denke, dass ich diese Bemerkung hier gegen Dich selbst wenden kann... ;) Ohnehin ist mir nicht ganz klar, wie man von einer "Entscheidung für den Antisemitismus" sprechen kann, was ja zumindest Grundlage einer Moral wäre; das geschieht doch gar nicht mit Bewusstsein. .
herrkeuner hat geschrieben:
oder ist es nicht vielmehr so, dass der nahost-konflikt obwohl er emotional sehr aufgeladen ist, nüchtern auf seine ursachen hin analysiert werden muss, und daraus keine ideellen, sondern eben materialistische schlüsse zieht. eine moralische betrachtung beider seiten wird dadurch hinfällig. man sieht die konfrontation einer nationalen befreiungsbewegung, die ihre dynamik aus völkischen, fundamentalistisch-religiösen und antisemitischen ideen bezieht, und einer bürgerlichen republik, die sich dem vernichtungswillen vehement widersetzt (und eine negativaufhebung ihrer gesellschaftlichen ordnung, sprich die regression verhindert).

Doch, das denke ich auf jeden Fall, dass die Ursachen analysiert werden müssen. Aber zu dem Thema hab ich mich jetzt schon breit ausgelassen. Ich denke übrigens, dass gerade die Antideutschen hier durch ihre oben angedeutete Moral eigentlich für eine Abkehr von Analyse und eine deutliche Minderung der Analysekraft der Linken gesorgt haben, indem sie vorausgesetzte Moral - Befeindung von Muslimen/Arabern und "Heiligung" von Israelis - zum vorgegebenen Resultat jeder Empirie machen, andererseits indem sie wiederum einseitige Parteinahmen für Araber und eine Verurteilung Israels provozieren, weil andere sich gegen die Befürwortung solcher Massaker zurwehrsetzen wollen. Letzterer Reflex ist kein Blödsinn, sondern diesen kenne ich von mir selbst aus Auseinandersetzungen mit Antideutschen, und es erfordert schon eine gewisse Sensibilität, diese neuentstehende Einseitigkeit zu spüren.
Ich möchte Dir nochmal entgegenhalten, dass die "Dynamik" der Hamas nicht lediglich aus "völkischen, fundamentalistisch-religiösen und antisemitischen ideen" resultiert, sondern ebenso aus Verhältnissen, die solche Ideen überhaupt erst bedingen. Das gibst Du doch an anderer Stelle selbst zu. Dann kannst Du doch hier nicht damit argumentieren. Diese Verhältnisse schließen eine materielle Einschränkung durch den israelischen Staat ein; und da verstehe ich die antideutsche Position echt nicht, und weiß auch nicht, wie sie noch Analyse sein soll, wenn sie behauptet, dass alle materielle Einschränkung Palästinas der je notwendige und noch rücksichtsvolle Versuch war, einen Vernichtungswillen auszumerzen.
Zu dem Vernichtungswillen: Dieser mag sicherlich eine Rolle spielen und die Vernichtung Israels ist für die Hamas wohl auch ihr Endziel, wo sie ihr Jenseits auf Erden verwirklicht sehen. Aber ist es nicht ein krasses Missverständnis der tatsächlichen Verhältnisse, wenn Du davon sprichst, dass Israel sich "dem Vernichtungswillen vehement widersetzt"? Ich meine, dass die Hamas ganz und gar nicht die Mittel hat, "Israel zu vernichten". Und ich meine, dass man die Hamas nicht mit einem Vernichtungswillen identisch setzen kann. In ihr spielen Widerstandsmotive ebenso eine Rolle. Man muss sich nur mal fragen, wie so etwas wie die Hamas überhaupt entstehen kann.

herrkeuner hat geschrieben:
in der tat. wenn dich aber meine wortwahl so irritiert, warum fragst du dich nicht, was einen marxisten tatsächlich von seinen mitmenschen unterscheidet: es ist die arbeitsmethode und der materialistische anspruch. eben diesem anspruch wirst du nicht gerecht, wenn du - wie es ja meine unterstellung war -antisemitische stereotype weiterreichst.

Es geht doch nicht um eine Wortwahl, sondern was Du mit den gewählten Worten ausdrücken wolltest. Und ich finde man muss einen nicht daran erinnern, dass er Marxist ist, wenn man unreflektierten und problematischen Sprachgebrauch aufzeigen will.


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
 Betreff des Beitrags: Re: Israel-Palästina-Konflikt Dezember 08
BeitragVerfasst: Sa 24. Jan 2009, 00:02 
Offline

Registriert: Fr 26. Dez 2008, 23:14
Beiträge: 39
Einige Zusammenhänge zu Israel und Palästina. Das müsste man natürlich jeweils genauer verfolgen, ob da wirklich was dran ist, ich hab das so aufgeschnappt:

Die arabischen Staaten bekunden immer ihre Solidarität mit Palästina, wenn dieses angegriffen werden. Materiell beschränkt sich diese Solidarität jedoch auf Waffenlieferungen. Weder werden Versorgungsgüter, "humanitäre Leistungen" erbracht, noch gibt es Aufnahmeregelungen für Palästinenser (keine Einreiseerlaubnis).
Dies legt den Schluss nahe, dass die arab. Welt an einer Erhaltung des Konflikts interessiert ist: etwa um sich innenpolitisch zu legitimieren.

Die soziale Situation in Israel ist äußerst prekär. Es gilt als "Musterknabe des Neoliberalismus". Die Renten sind zw. 300 und 400 Euro, bei einem höheren Preisniveau als bei uns. Um Tel Aviv hat sich ein riesiges Slum gebildet. Des weitern ist der israelische Staat im Innern äußerst repressiv.
Von daher sind die Kriege Israels innenpolitisch wichtig, da so der innere Zusammenhalt gegen all diese sozialen und politischen Gegensätze hergestellt wird.

Israels Wirtschaft ist eine Waffenproduktion, d.h. Kriegswirtschaft hin ausgerichtet. Es ist daher eine Notwendigkeit für Israel, in immer neue Kriege zu gehen, weil seine Wirtschaft auf der Vernichtung von Rüstungsgütern basiert. Dies würde zudem die stabile Wirtschaft in Israel erklären.

Rassismus gibt es nicht nur in Palästina, sondern auch in Israel: gegen Muslime, gegen Palästinenser. Bei uns sind die Billiglöhner Osteuropäer und Asiaten; in Israel sind es die Araber. Und in Israel gibt es einen großen Niedriglohnsektor(vgl. oben soziale Situation).

Die "Kassam"-Raketen haben eine Sprengkraft von weniger als einer Granate. Sie können zudem nicht punktgenau gesteuert werden. Damit jemanden zu töten ist gewissermaßen ein Zufall und kann daher auch nicht das wirkliche Ziel bei der Abfeuerung dieser Kassam-Raketen sein. Es geht der Hamas hierbei um Erschrecken und um die Aufrechterhaltung eines aggressiven Images.


Diesen Beitrag melden
Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten  
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 16 Beiträge ]  Gehe zu Seite 1, 2  Nächste

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Du darfst neue Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du darfst keine Dateianhänge in diesem Forum erstellen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
Powered by phpBB © 2000, 2002, 2005, 2007 phpBB Group
Deutsche Übersetzung durch phpBB.de